Am 20. Januar 2018 fand die ordentliche Mitgliederversammlung 2017 statt. Die Vereinsführung erwartete im Vorfeld bis zu 1.000 Mitglieder. Am Ende kamen 699 (694 stimmberechtigte) Mitglieder in den Parksaal des Steigerwaldstadions. Trotzdem kam es zu Problemen am Einlass, sodass die Veranstaltung mit 10 Minuten Verspätung begann.

Als Erstes wurde über die Versammlungsleitung abgestimmt, Birgitt Pelke wurde als Versammlungsleiterin bestätigt. Dass dies die richtige Entscheidung war, kann ich direkt vorweg nehmen. Sie leitete die Versammlung, unterstützt von Markus Hirche (Fanrat Rot-Weiß Erfurt e.V.) und Lothar Scholtes (für Satzungsfragen), hervorragend.

Als erstes wurde der Antrag des Fanrates abgestimmt, die Versammlung vollständig aufzuzeichnen und für eventuelle Rechtsstreitigkeiten zu sichern. Die Aufbewahrungszeit wurde auf unbestimmte Zeit festgelegt. Diesem Antrag wurde mit großer Mehrheit zugestimmt. Als nächstes wurde von den Mitgliedern über einen Antrag abgestimmt, ob die Presse von dieser Veranstaltung ausgeschlossen werden soll. Auch diesem Antrag wurde mit großer Mehrheit entsprochen.

Der anschließende Bericht des Präsidiums lief darauf hinaus, dass die Zahlen, die von Ex-Präsident Rolf Rombach und dem Steuerberater Ralf Krings vorgelegt worden sind korrekt waren. Demnach belief sich der Schuldenstand auf 5,5 Millionen zum Geschäftsjahresende 2016/2017. Die Höhe der Schulden ist in der laufenden Saison noch angestiegen. Laut Präsident Frank Nowag betragen sie Stand November 2017 rund 5,7 Millionen. Nowag gab weiterhin bekannt, dass bereits 227.000,- € der Sponsorenleistungen für die Saison 2018/2019 in Anspruch genommen worden sind. Zudem könnten bei einem eventuellen Aufstieg in die zweite Liga weitere Verbindlichkeiten in Höhe von 2,3 Millionen Euro hinzukommen. Dies sollte uns bei der derzeitigen sportlichen Lage allerdings erstmal weniger interessieren. Zumal bei einem Aufstieg ja auch die Fernsehgelder drastisch steigen. Nowag gab an, dass die wegbleibenden Zuschauer das Problem seien. Eine Aussage, die doch sehr verwundern müsste, schließlich sind die aktuellen Zahlen nahezu identisch mit denen aus den Vorjahren.

Erfreuliche Nachrichten kamen dann aus dem Mitgliederbereich: Zum 18. Januar steht der Klub bei 2.577 Mitgliedern. So viele wie nie zuvor in der Vereinsgeschichte. Insgesamt sind seit Saisonbeginn mehr als 500 neue Mitglieder dem Verein beigetreten. Nowag führte weiterhin aus, dass die Sponsoren zum Verein stünden und der Verein stolz auf seine Sponsorenschaft sein könne. Die Insolvenz sei vermeidbar und eine Ausgliederung wäre im Moment der falsche Schritt. Generell sei er kein Fan einer Ausgliederung, aber er sei auch kein „Phantast“. Als Ziele für die Zukunft wurden der Klassenerhalt, die Erschließung des „riesigen Sponsorenpotentiales“, die Verbesserung bei Image und Kommunikation, die Stärkung des Nachwuchsleistungszentrums und die Gründung eines Wirtschaftsbeirates genannt.

Mein Fazit zum „Bericht des Präsidiums“: Die vorgetragenen Zahlen zu den Verbindlichkeiten waren lange bekannt. Nichts Neues in dieser Hinsicht. Gleiches gilt für die Ziele. Alles Punkte, die längst bekannt waren und verbessert hätten werden können. Konkret wurde Nowag in keinem der Punkte. Beliebte Floskeln wie „wir arbeiten dran“, „es ist noch ein weiter Weg“ oder „da müsst ihr uns schon noch etwas Zeit geben“ waren häufig zu hören. Im Vorfeld wurde klar gefordert, dass die Verbindlichkeiten nach Gläubigern, Höhe und Fälligkeit bekannt gegeben werden sollen. Dies hatte Nowag auf einem Treffen, auf dem ich anwesend war, zugesagt. Diese klare Zusage hat er nicht eingehalten. Letzen Endes wurde auch deshalb der Antrag gestellt, die Presse auszuschließen.

Als nächstes ergriff Dr. Kästner das Wort. Er wiederholte seine früheren Aussagen, dass der Aufsichtsrat „nicht geschlafen habe“ und er persönlich dem Verein zweimal die Lizenz gerettet habe. Außerdem möchte er eine Satzungsänderung, damit der Aufsichtsrat in Zukunft mehr Einfluss auf das Tagesgeschäft nehmen kann.

Nun berichtete Trainer Stefan Emmerling über die sportliche Situation. Er habe in der Winterpause einen neuen Geist in der Mannschaft gespürt und ist optimistisch, dass wir den Klassenerhalt schaffen können. Die Mannschaft muss durch ihre Spielweise Zuschauer ins Stadion locken, um ihren Teil beizutragen.

Dann betrat Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) stürmisch das Podium. Er richtete ein Grußwort an die Mitglieder. Der Verein brauche die Stadt, die Stadt brauche den Verein, sowas eben. Mir fällt es bei solchen Reden zugegeben immer wieder schwer, zwischen Wahlkampf und Authentizität zu unterscheiden. Jedenfalls teilte er mit, dass die jährliche Stadionpacht bei 225.000 € liegt, ein Preis, der gerade so zulässig wäre. Außerdem möchte er in Zukunft gern den Sitz im Aufsichtsrat wahrnehmen, bisher habe er es wegen der Verflechtung mit dem Stadion und den möglichen Interessenkonflikten nicht getan. Nachvollziehbar.

Nun kamen die Nachfragen an Frank Nowag. Auf die Frage nach den Überweisungen des Geldes vom NLZ oder welche entlassenen Mitarbeiter derzeit noch auf der Gehaltsliste stehen, antwortete  er entweder süffisant („Soll ich das wirklich beantworten?“) oder gar nicht („Das gehört hier nicht her!“). Wenn es nicht auf eine Mitgliederversammlung gehört, wohin denn dann? So wie früher ins Hinterzimmer und irgendwo versteckt? Nach meinem Empfinden wurde das Ganze hier sehr schnell durchgepeitscht - und zwar ohne die versprochene Transparenz. Leider muss man aber ebenso konstatieren, dass die kritischen Nachfragen seitens der Mitglieder nahezu ausblieben. Einzig aus den Reihen des Fanrates, der Ultras und einigen Einzelmitgliedern kamen Nachfragen zu den Themen. Nowag meinte mit Blick auf die Nachlizensierung, dass sie schwer werde, aber nicht unmöglich sei. Die Position des Leiters NLZ werde neu besetzt. Der Nachfolger stünde bereits fest. Außerdem werde der Verein möglicherweise eine geordnete Insolvenz antreten, wenn der Abstieg sportlich nicht mehr zu vermeiden wäre.

Es folgten die Entlastungen. Entlastet wurden: Der komplette Aufsichtsrat – mit Ausnahme des Vorsitzenden Dr. Peter Kästner. Nicht entlastet wurden hingegen Rolf Rombach und Thomas Kalt. Aus welchem Grund die Mitglieder Frank Nowag entlasten sollten, ist für mich völlig unklar. Nowag war bis zum Ende des Geschäftsjahres 2016/2017 in keiner Position im Verein. Daher ist eine Entlastung überflüssig.

Nun war die Wahl des neuen Aufsichtsrates an der Reihe. Die Kandidaten hielten – mit Ausnahme von Dirk Steeger (Autohaus König, abwesend) – eine kurze Rede. Auch hier fehlte es mir – mit Ausnahme von Dr. Rolf Hildebrandt – an einem klaren Konzept. Die üblichen Floskeln vom „Verein nach vorn bringen“ bis zu „ich möchte den Verein wieder in der 2. Bundesliga sehen“ oder ganz und gar „ich möchte mich im privaten Kreis nicht mehr schämen müssen, wenn ich gefragt werde, warum ich Mitglied bin“ waren zu hören. Kein Wort über Konsolidierung, Ausrichtung, Öffentlichkeitsarbeit oder Marketing. Wie so eine Vorstellung halt aussieht, wenn man weiß, dass man sowieso gewählt wird. Nichtssagend und schwammig. Am Ende soll es wohl – wie immer – über das Geld oder die Kontakte der Kandidaten geregelt werden.

Die Wahl erfolgte dann per Stimmzettel, nicht wie erwartet in geheimer Wahl. Wahrscheinlich war man relativ sicher, dass die große Mehrheit für die Liste stimmt. Und so kam es dann auch. Außer mir waren nur sieben weitere Mitglieder mit der Liste nicht einverstanden, zwölf enthielten sich. Der Rest stimmte dafür.

Nun folgte die Wahl des Ehrenrates. Auch diese Wahl erfolgte per Stimmzettel und nicht in geheimer Wahl. Und wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wie unsinnig diese unsägliche Listenwahl ist, so wurde er hier erbracht. Der vorher nicht entlastete Dr. Peter Kästner wurde mit großer Mehrheit über diese Liste in den Ehrenrat gewählt. Ich erspare mir und euch eine weitere Kommentierung.

Der folgende Antrag des Fanrates zur Gründung einer Satzungskommission wurde mit großer Mehrheit angenommen. Ziel ist es, die Satzung zu aktualisieren und einige Dinge zu verändern. Anschließend wurden die Mitglieder der Kommission ausgelost, weil es mehr Bewerber als Sitze in der Kommission gibt.

Ehrenpräsident Klaus Neumann dankte nun dem ehemaligen Präsidenten Rolf Rombach für 12 Jahre Zeit, Schweiß, Tränen und Geld. Das Auditorium spendete minutenlang Applaus. Ich war nie ein Fan Rombachs, aber ich finde, er hat sich diesen Applaus verdient. Niemand kann ihm absprechen, dass er alles im Sinne des Vereins machen wollte – bei allen Fehlentscheidungen und Fehlern die er gemacht hat. Rombach sagte, er ist jederzeit bereit dem Klub zu helfen, ihm beratend zur Seite zu stehen.

Anschließend wurde die Mitgliederversammlung beendet.

Mein Fazit: Es kam so, wie ich es erwartet hatte. Der Bericht über das Geschäftsjahr 2016/2017 brachte keinerlei neue Erkenntnisse. Die Zahlen, die im Vorfeld kolportiert wurden (bis zu 8 Mio Euro bilanzielle Überschuldung), erwiesen sich als haltlos. Ebenso trostlos der Ausblick auf die Zukunft. Keine Vision, kein Konzept, dafür reihenweise Durchhalteparolen. Ich habe im Vorfeld keinen Hehl daraus gemacht und ich stehe immer noch dazu: Ich hätte sehr viel lieber zwei oder drei Listen oder noch lieber eine Personenwahl gehabt, dann hätte jeder Kandidat wirklich für sich bzw. seine Liste werben müssen, um die Mitglieder von sich zu überzeugen. Aber so war es eine Larifari-Veranstaltung ohne wirklichen Erkenntnisgewinn. Nun kann man sagen, dass wäre sonst auch immer so gewesen. Ja, da würde ich sogar zustimmen. Aber sollte nicht alles besser werden? Klarer? Transparenter? Sollten nicht alle Zahlen auf den Tisch? Sollte nicht Tacheles geredet werden? Es kam anders.

Trotz meiner Gegenstimme für die Liste des Aufsichtsrates wünsche ich dem neuen Aufsichtsrat und dem Präsidium selbstverständlich viel Erfolg bei den anstehenden Aufgaben. Schließlich geht es um das große Ganze. Es geht um nichts weniger, als um unseren Verein.